Seelsorge

Seelsorge findet sich in der Kirche vor als Weitergabe des Wortes Gottes an den Einzelnen. Die Verkündigung des Evangeliums ergeht nicht nur im Allgemeinen, sondern sie ergeht von Person zu Person. Eben damit wird sie zur Seelsorge, die die frohe Botschaft, die allen gilt, heranträgt an das Leben des Einzelnen.

nach Eduard Thurneysen

Was geschieht in der Seelsorge?

Seelsorge geschieht in der Regel als Gespräch im Angesicht Gottes, meist als persönliches Gespräch mit einem Seelsorger unter vier Augen. Menschen dürfen einfach da sein, ihr Herz ausschütten, dürfen über ihre Sorgen und Nöte erzählen und Lebens- oder Glaubenshilfe erfahren.

Wer kann Seelsorge in Anspruch nehmen?

Seelsorge kann nicht nur von Kirchenmitgliedern, sondern von jedem Menschen in Anspruch genommen werden.

Christliche Seelsorge geschieht im Horizont eines biblischen Menschenbildes: Jeder Mensch ist als Gottes Ebenbild geschaffen, mit unverlierbarer Würde ausgestattet. Gott selbst ist Mensch geworden und hat sich so mit den Menschen verbündet. In Jesus teilt er ihr Leben und Sterben und schenkt ihnen Anteil an seiner Auferstehung.

Seelsorge geschieht nur freiwillig. Sie verfolgt keine Eigeninteressen. Sie ist stets an den Bedürfnissen derer interessiert, um die sie sich sorgt: "Was willst du, dass ich dir tun soll?" (Lukas 18, 41) 

Gibt es in unserer evangelischen Kirche auch die Beichte?

Ja.

Die Beichte ist in der evangelischen Kirche keine Pflicht. Sie findet jedoch regelmäßig als gemeinschaftliche Beichte in unseren Gottesdiensten statt.

Trotzdem gibt es in der evangelischen Kirche immer die Möglichkeit der Einzelbeichte unter vier Augen, etwa in einem Seelsorgegespräch mit der Pfarrerin oder dem Pfarrer.

Pfarrerinnen und Pfarrer sind gesetzlich zur Wahrung des Beichtgeheimnisses verpflichtet! 

Wie läuft die Beichte in unserer evangelischen Kirche ab?

Die Beichte besteht aus zwei Teilen:

  1. Wir kommen an, prüfen unser Leben im Licht der Liebe Gottes. Wir bekennen, wie wir selbst Liebe schuldig geblieben sind in Gedanken, Worten und Taten. Alles darf ausgesprochen werden, wie es ist.
  2. Wir hören das Wort von der Vergebung: "In der Vollmacht, die der Herr seiner Kirche gegeben hat, spreche ich dich los. Dir sind deine Sünden vergeben. Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes."

Wir glauben: Was Gott sagt, das meint er auch. Wenn er die Schuld vergibt, dann ist sie wirklich vergeben.

Eine ausführliche Anleitung zur Beichte finden Sie im evangelischen Gesangbuch im grünen Teil unter der Nummer 815. 

Ich möchte keine Seelsorge vor Ort wahrnehmen. Gibt es andere Möglichkeiten zur Seelsorge?

Die Telefonseelsorge ist ein gemeinsames Angebot der Evangelischen Kirchen und der römisch-katholischen Kirche. Hier können Sie im Vertraulichen telefonisch ihre Themen besprechen. Der Anruf taucht auf keiner Rechnung auf und das Gespräch bleibt anonym.

0800 / 1110111

0800 / 1110222

Es besteht außerdem ein Online-Angebot der Telefonseelsorge.

https://online.telefonseelsorge.de/

Bei der Chatseelsorge können Sie vertraulich und anonym mit einem Seelsorger oder einer Seelsorgerin im Zweiergespräch reden! Oder Sie plaudern im offenen Chat mit den anderen über Gott und die Welt.

http://chatseelsorge.evlka.de/v2/index.php

Öffnungszeiten: Montag, Mittwoch und Freitag, 20 - 22 Uhr.

Hat Seelsorge auch Grenzen?

Ja. Wo z. B. der Verdacht auf eine psychische Erkrankung besteht oder eine Selbstmordgefährdung vorliegt, muss ein Seelsorger Menschen in die Hände medizinischer Experten übergeben. Gerne sucht Ihr Seelsorger mit Ihnen gemeinsam einen Fachmann oder eine Fachfrau.