Liebe Mitglieder der Kirchengemeinden Altingen und Reusten, liebe Freunde und Unterstützer,
Inzwischen bin ich schon etwas mehr als ein halbes Jahr in Paraguay und habe schon viel erlebt, gesehen und gelernt! Deswegen möchte ich euch und Ihnen wieder einen kleinen Einblick in mein Leben und meinen Alltag geben:
Seit Ende Dezember leite ich mit Vanessa die Frauen- Handarbeitsgruppe „Estrella“ (Stern), da meine Männerwohngruppe nun endlich ausziehen konnte! :-)
In der Frauengruppe habe ich teils ganz andere Aufgaben zu erledigen, als mit meiner Männergruppe und ich brauchte anfangs etwas Zeit bis ich mich eingefunden hatte. Inzwischen gehe ich aber total in meiner Arbeit auf und habe sehr viel Freude daran! :-)
In unserer Gruppe haben wir derzeit 7-8 Patientinnen, die vor allem Akutpatientinnen sind. Das heißt, dass sie erst vor kurzem interniert wurden und auch die Aussicht haben, die Psychiatrie bald wieder zu verlassen. :-)
Ein normaler Vormittag sieht bei mir jetzt so aus: Bevor die Patientinnen kommen, bereiten Vanessa und ich einige Handarbeiten für die Patientinnen vor. Wenn die Frauen dann kommen, begrüßen wir sie und dann kommt die Frage: „Quién quiere banarse?“ („Wer will duschen?“), daraufhin leuchten die Augen der Frauen und einige rufen begeistert „Ich!“ Oftmals haben die Patienten nämlich nicht die Möglichkeit in der Psychiatrie zu duschen, da es dort keine frische Kleidung gibt. Deswegen duschen die Therapiepatienten meist bei uns. Auf diese Frage hin, gehe ich mit den Duschkandidatinnen ins Deposito, wo wir passende Kleidung für sie suchen und ein Handtuch. Anschließend sitzen wir mit den Frauen zusammen, reden mit ihnen, während sie ihrer Arbeit nachgehen und helfen ihnen, wo sie Hilfe brauchen. Da in der „Estrella“ ja größtenteils Akutpatientinnen sind, können wir uns richtig gut mit ihnen unterhalten und haben oftmals viel Spaß! Montags ist außerdem immer unser Läusetag- da behandeln wir alle Patientinnen mit Läuseshampoo und kämmen ihre Haare mit einem Nissenkamm durch. Dies ist natürlich nicht die beliebteste Aufgabe, aber ich weiß, dass ich dadurch die Lebenssituation meiner Mädels ein bisschen verbessern kann und deswegen mache ich diese Aufgabe gerne!:-)
Desweiteren erledigen wir vormittags meist noch die Wochenaufgabe: Die Patienten der Beschäftigungstherapie sind in vier Gruppen aufgeteilt: Drei Handarbeitsgruppen für Frauen und die Schreinerei für Männer. Jede Gruppe hat pro Woche eine Aufgabe, die rotierend wechselt:
Eine Gruppe bereitet immer die Merienda (Zwischenmahlzeit) für alle vor, die nächste putzt
das Patienten- WC und zwei Gruppen waschen die Wäsche der Patienten. Auch bei diesen Aufgaben sind unsere Mädels stets mit Begeisterung und viel Fleiß dabei, das ist richtig schön!:-)
Im CD- Wohnheim hat sich auch einiges verändert in letzter Zeit. Hier leben jetzt nur noch Lateinparaguayer und Deutsche und eine Freiwillige aus dem Chaco. Dadurch muss ich zum einen viele neue Namen lernen ;-) , aber zum vor allem reden wir nun auch zu hause viel mehr Spanisch und das freut mich sehr! Beim Sprache lernen war ich wirklich gesegnet! Ich bin ja ohne jegliche Vorkenntnisse angereist und inzwischen kann ich mich sehr gut verständigen und auch unterhalten, das ist wirklich schön!:-)
Vom 8.- 12. Januar hatten wir unser Zwischenseminar, dafür ist unsere Betreuerin Elís Töws aus Deutschland angereist und wir – die deutsche Gruppe- verbrachten diese Tage mit ihr außerhalb von Asunción. Es war eine bereichernde Zeit für mich, in der ich die Gemeinschaft mit den anderen Freiwilligen genießen konnte, mir Gedanken gemacht habe über das vergangene halbe Jahr, die noch kommenden sechs Monate und mich neu auf Gott ausrichten konnte. Wir hatten spannende Diskussionen, tiefe Gespräche, schöne Lobpreiszeiten, sehr viel Spaß und Gott war total präsent in diesen Tagen, das war sehr beeindruckend für mich.
Ich durfte auf dem Seminar und in den Wochen danach bei der Arbeit weiter lernen, was es heißt zu dienen und demütig zu sein. Momentan bin ich sehr dankbar, dass ich dieses FSJ in Paraguay machen darf, da ich hier so viel lernen darf und Gott mich jeden Tag so reich beschenkt! :-)
Eine Neuigkeit, die mich sehr freut und auch ein wenig erstaunt hat, möchte ich noch erzählen: Mein großer Bruder Simon wird mich im März besuchen kommen. Ich hatte nie damit gerechnet, dass mich jemand aus Deutschland hier besuchen kommen würde,
aber ich freue mich sehr darüber!:-)
Auch dieses Mal möchte ich euch einige Gebetsanliegen weitergeben:
Dank:
kahlerli@online.de